Der Glaube an Gustav, das Kaninchen und Lyrik
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(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Jahrbuch der Lyrik 2008 (Gebundene Ausgabe) Ich lese zum ersten Mal diese Herausgabe deutschsprachiger Lyrik und es ist wirklich deutsche Lyrik, wie man sie kennt.
Vorhanden sind Namen,die bekannt sind und weniger bekannte und lyrische Gebilde sind da, die Freude bereiten, Schmunzeln auch und Kopfschütteln.
Doch so ist es.

Wer Weine probiert, vielleicht zu denen gehört, die edle Getränke pobieren müssen, kann sich vorstellen, wie schwer es ist, eine Auswahl zu treffen.
Die Herausgeber Christoph Buchwald und Ulf Stolterfoht erinnern daran in ihren Nachworten und sie machen trotzdem Mut, sich der Auswahl immer neu zu stellen.
Obgleich, es gibt auch im Internet Lyrik, und die ist nicht einmal schlecht (wiewohl es ja keine Regeln für eine Bewertung gibt, oder doch?).

Freude soll das Lesen von Lyrik bereiten, Nachdenken, ein Hinführen in Neues, Unendecktes, Bewährtes, auch Bekanntes ist oftmals zu entdecken.
Reime können auftauchen, Ungereimtes (nicht im Sinne von "na,aber!") oder einfach auch mal Gebilde, die bemalter Fläche ähneln.
Und ob ein Gedicht ein Gedicht ist, das viele Zeilen untereinander aufweist mit dem Satz, daß man niemals mehr im Jahrbuch der Lyrik mitmacht, ich weiß es nicht.

So geht die Suche denn fort nach Namen und Neuem, Altem undsoweiter und man merkt, es ist deutsch, richtig deutsch mit dem Herzschmerzduft zuweilen und der Sehnsucht nach Draußen (Goethe) und Drinnen (Hans Sachs)und manchmal erscheint ein Gebilde wie von Engelshand. Da fühlt man sich wie weiland Gotfried Benn, der irgendwo sagte, daß er es auch heute noch nicht verstehen kann, daß es soetwas gibt.

Und irgendwo plötzlich, ja "dann finden wir eine Lösung für volle Staubsaugerbeutel und Einsamkeit, wir glauben an Gustav, das Kaninchen, und Lyrik, sagen wir andächtig. Meistens essen wir Wurst." (Simone Hirth in ihrem gelungenen Gebilde einer distanzierten Betrachtung).

Hallo, da schimmert doch noch etwas herauf, und wirklich, im Takt auch noch (man muss es laut lesen), von Andreas Koziol:

MEISENWERK

Meisenrufe am Morgen
zwei links zwei rechts
umstricken das Zimmer,
ich bin es noch immer
und fühl mich geborgen
im Kopf des Hechts
im Schwanz der Sphinx
ich schreis ich sings
der Kummer die Sorgen
sie sind es noch immer
zwei links zwei rechts
ihr süßen Beginner
da draußen am Morgen
zwei rechts zwei links
das ächzende Zimmer
am Morgen man möchts
nicht glauben sie sinds
zwei links zwei rechts
im grünen Geflimmer
der Baumkronen rings
die sausenden Korken
des Meisengeschlechts

Gut, da habe ich ein schönes Gebilde herausgehoben, es gibt wirklich viel zu gewinnen, wie z.B. dieses Gedicht von Nora Bossong:

ROLANDSLIED

Und gingen wir durch meine Mutterstadt
fast lautlos, sprach er nichts, als bliebe es so
ungesagt, und lag in diesem Sommertag
ein heißes Flüstern, gab uns kein Baum,
kein Tunnel Schatten, ließ meine Hand von
seiner Hüfte ab, und fragte er mich nach
des Laudons Grab - ich weiß nicht, glaub,
er wollte nicht mehr weiter,
mein Vater.

Dies alles nur als kleine Auswahl eines gelungenen Bandes neuer deutscher Lyrik. Mehr im Buch selbst.

Eine Rezension von Ein Kunde
vom 11. März 2008
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